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Biodiversität im alpinen Lebensraum

Kapitel 8 / Lebensräume im Gebirge oberhalb der Waldgrenze (alpine, nivale und z. T. subalpine Stufe) prägen die Schweizer Identität und bilden eine wichtige Grundlage für Tourismus, Erholung und Landwirtschaft.

Sauberes Wasser und genetische Ressourcen

Intakte Lebensräume im Alpenraum bieten zahlreiche Leistungen für uns Menschen.1,2 Dazu gehören die Verhinderung von Bodenerosion und die Versorgung mit sauberem Wasser. Zudem sind sie ein Reservoir für genetische Ressourcen.

Erholungsraum

Die Alpen sind das wohl bedeutendste Erholungsgebiet der Schweiz. Alpine, offene Landschaften mit arten- und blütenreichen Wiesen und Weiden werden von der Bevölkerung in der Schweiz und von Touristen und Touristinnen geschätzt.3

Grundlage für Tourismus

Die Alpen mit ihrer hohen Biodiversität und Landschaftsqualität bilden eine wichtige sozioökonomische Grundlage des Tourismuslandes Schweiz.4

Orte der Entspannung

Alpine Lebensräume sind Orte der Entspannung, die besonders dann gefragt sind, wenn Hitzewellen das Leben im  Flachland schwer erträglich machen.5

Kulturerbe

Der alpine Lebensraum ist ein wichtiger kultureller Anker für Schweizer Traditionen und Identitäten.6

Nachhaltige Produkte

Alpweiden versorgen uns mit nachhaltig hergestellten Lebensmitteln (z.B.Alpkäse) und weiteren Produkten (z.B. Molke- oder Kräuterbäder).7

Erhalt von Alpweiden

Verschiedene Ziegen- und Schafrassen können die Verbuschung von artenreichen Alpweiden verhindern oder eindämmen, um sie zu erhalten.8

8.1 Überblick

Lebensräume im Gebirge oberhalb der Waldgrenze (alpine, nivale und z. T. subalpine Stufe) prägen die Schweizer Identität und bilden eine wichtige Grundlage für Tourismus, Erholung und Landwirtschaft. Verschiedene politische Strategien und Initiativen beschäftigten sich in den vergangenen Jahren mit der qualitativen Entwicklung alpiner Räume Kap. 8.2. Gleichzeitig hat die Bevölkerung Projekte für Nationalpärke abgelehnt, und neue Herausforderungen wie die Nutzung erneuerbarer Energien in sensiblen alpinen Lebensräumen kamen hinzu.

Historisch wurde der alpine Raum durch Rodungen in der subalpinen Stufe und eine extensive Weidewirtschaft ausgeweitet. Diese Nutzungsform führte über Jahrhunderte hinweg zur Entstehung offener, artenreicher Kulturlandschaften Kap. 8.3. Doch mit der fortschreitenden Aufgabe von Alpweiden setzten Prozesse der Verbuschung und Wiederbewaldung ein. Zusätzlich beschleunigen der Klimawandel und der Ausbau von Infrastrukturen, z. B. für die Nutzung der Wasserkraft oder für den Tourismus, den Rückgang dieser Kulturlandschaften und der daran gebundenen Lebensräume. Neue Flächen für Lebensräume entstehen dagegen durch den Gletscherrückgang. Erfreulich ist, dass in der Schweiz ausgerottete oder selten gewordene Wildtiere in die alpinen Lebensräume zurückgekehrt sind.

Aktuelle Ursachen der Veränderungen

Die Alpen werden wärmer und grüner – die Schneedecke schmilzt früher, die Vegetationsperiode dauert länger Kap. 8.4.1. Wildtiere werden zunehmend durch Outdoor-Aktivitäten gestört, auch in unberührten Rückzugsräumen. Trotz Sensibilisierungskampagnen fehlt bei vielen Freizeitsuchenden das Bewusstsein für die Folgen der von ihnen verursachten Störungen Kap. 8.4.2. Während manche Alpwirtschaftsflächen verbuschen, werden andere zu stark genutzt. Dies führt zu übermässigen Nährstoffeinträgen und Artenverlusten Kap. 8.4.3.

Entwicklung seit 2010

Nach wie vor weisen die alpine und nivale Stufe eine hohe Wildnisqualität mit wenig Fragmentierung auf Kap. 8.5.1. Zahlreiche konkurrenzstarke Arten aus tieferen Lagen besiedeln die alpine Stufe infolge der Erwärmung – lokal steigt die Artenvielfalt, doch Lebensraumspezialisten, die in dieser Höhenlage einzigartig sind, geraten zunehmend unter Druck Kap. 8.5.2.

Weichenstellungen für eine biodiverse Zukunft Kap. 8.6

Um die Biodiversität in der alpinen und nivalen Stufe langfristig zu sichern, braucht es gezielte Weichenstellungen für die Zukunft. Ein zentrales Element ist der Erhalt grossflächiger Wildnisgebiete. Auch der Tourismus kann einen wichtigen Beitrag leisten – nicht nur als rücksichtsvoller Nutzer, sondern auch als Mitgestalter und -finanzierer von nachhaltigen Projekten. Gleichzeitig gilt es, die zunehmenden Freizeitaktivitäten in den Alpen naturverträglich zu gestalten. Im Sömmerungsgebiet ist eine kluge Nutzungsbalance gefragt. Nur eine an die lokalen ökologischen Bedingungen angepasste, extensiv betriebene Alpwirtschaft, die fair unterstützt wird, kann sowohl die Verbuschung als auch die Übernutzung vermeiden und damit die offenen Kulturlandschaften des Sömmerungsgebiets mit ihrer hohen Artenvielfalt erhalten.

Beim Ausbau erneuerbarer Energien braucht es Augenmass: Alpine Lebensräume dürfen durch neue Infrastrukturen nicht übermässig belastet werden. Stattdessen braucht es eine koordinierte Planung mit ökologischen Leitplanken, damit Konflikte zwischen Energiewende und Biodiversität minimiert werden. Nicht zuletzt muss die Raumplanung die verschiedenen Höhenstufen der Alpen – vom Talboden bis zum Berggipfel – gemeinsam denken. Alpine, subalpine und tiefer gelegene Gebiete stehen in engem Wechselspiel – ökologisch, klimatisch und sozial. Nur wenn sie als funktionale Einheit verstanden und gemanagt werden, lässt sich der Wandel in den Alpen nachhaltig gestalten.

Lebensräume oberhalb der Waldgrenze beherbergen viele spezialisierte Arten, für deren Erhalt die Schweiz eine besondere Verantwortung trägt.

Foto: lorenzfischer.photo
Biologische Vielfalt alpiner Lebensräume

Lebensräume der alpinen und nivalen Vegetationsstufe umfassen das Areal oberhalb der natürlichen Waldgrenze wie auch Flächen, die dem Wald zu Weidezwecken in der subalpinen Stufe abgerungen wurden. Unproduktive Flächen (ohne Gewässer) sowie Alpwirtschaftsflächen bedecken etwa einen Drittel der Schweizer Landesfläche.9 Die alpine Vegetationsstufe zeichnet sich durch steindurchsetzte, magere Rasenflächen und Weiden aus, die von Staudenfluren, Polsterpflanzen, Moosen und Flechten geprägt sind. Die Gehölzvegetation fehlt mit Ausnahme von Zwergsträuchern und vereinzelten Bäumen zwischen Wald- und Baumgrenze fast vollständig. Typisch für diese Höhenstufe sind auch Gletschervorfelder und Moränen, die von Pionierpflanzen besiedelt werden. Ab etwa 2900 m ü. M. beginnt die nivale Vegetationsstufe, die durch dauerhaften Schnee sowie Gesteinsflächen mit spärlicher Vegetation gekennzeichnet ist.

Alpine und nivale Lebensräume beherbergen Artengemeinschaften mit spezialisierten, hochgebirgstypischen Tieren, Pflanzen, Moosen, Pilzen, Flechten und Mikroorganismen Kap. 8.5.1. Etwa 11 % der Pflanzenarten, die im europäischen Alpenbogen nachgewiesen wurden, sind endemisch, das heisst sie leben ausschliesslich in diesem Gebirge.10 Auch bei den Tieren gibt es zahlreiche endemische oder teilendemische Arten, beispielsweise den neu entdeckten Laufkäfer Oreonebria bluemlisalpicola, der nur in den nordwestlichen Schweizer Alpen nördlich der Rhone und westlich der Aare vorkommt.11 Für die Erhaltung solcher Arten trägt die Schweiz eine besonders hohe Verantwortung.12 Hinzu kommen viele Tier- und Pflanzenarten, die sowohl in alpinen als auch arktischen Regionen vorkommen und speziell an die Bedingungen im Hochgebirge angepasst sind. Ihre genetische Vielfalt trägt zur Biodiversität auf europäischer Ebene bei.

8.2 Wichtige Ereignisse zwischen 2010–2025

Gesellschaft
Politik und Verwaltung
Wichtige Publikationen

2011

BAFU: Unsere Verantwortung liegt in den Alpen. Analyse von BDM-Daten. Die meisten Verantwortungsarten der Schweiz befinden sich in den Alpen.

2014

Lauber et al.: Zukunft der Schweizer Alpwirtschaft. Fakten, Analysen und Denkanstösse aus dem Forschungsprogramm AlpFUTUR. Herausforderungen ergeben sich vor allem aus dem Strukturwandel der Landwirtschaft, dem gesellschaftlichen Wertewandel, dem Kosten-und Preisdruck und dem technischen und tierzüchterischen Fortschritt.

2021

Meier E, Lüscher G, Buholzer S, Herzog F, Indermaur A, Riedel S, Winizki J, Hofer G, Knop E: Zustand der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft. Zustandsbericht ALL-EMA. 42 % der heute noch existierenden Weiden im Sömmerungsgebiet weisen eine hohe ökologische Qualität auf.

2022

BAFU: Landschaft im Wandel. Ergebnisse aus dem Monitoringprogramm Landschaftsbeobachtung Schweiz (LABES). Mit der steigenden Erschliessung durch Verkehrsinfrastrukturen lässt sich in immer weniger Gegenden Abgeschiedenheit erleben.

2025

Meier E, Lüscher G, Herzog C, Herzog F, Indermaur A, Winizki J, Knop E: Veränderung der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft. Erst- und Zweiterhebung ALL-EMA. Leichte Abnahme der Vielfalt von Arten der Umweltziele Landwirtschaft in Landschaften, aber leichte Zunahme der Lebensraumvielfalt.

8.3 Entwicklung seit 1900

Ausgangslage 1900

Ausdehnung alpiner Lebensräume lange vor 1900, teilweise seit der Jungsteinzeit, infolge Rodungen subalpiner Wälder zur Vergrösserung der Weideflächen.13 Dadurch Absenkung der Waldgrenze um mehrere hundert Höhenmeter.

Alpine Lebensräume geprägt durch jahrhundertelange menschliche Aktivitäten.14 Nutzung als Weideflächen für Vieh mit teilweise intensiver Bestossung.

Viele grössere Tierarten in den alpinen und nivalen Lebensräumen (z. B. Steinadler, Bartgeier, Murmeltier, Steinbock, Gämse, Rothirsch, Wolf) durch Jagd stark dezimiert oder regional bis national ausgerottet.

Wenig Zerschneidung durch Verkehrs- und Bewirtschaftungswege, begrenzte Zugänglichkeit der hohen Lagen.

Tourismus noch wenig entwickelt.14

1900 bis 1940er Jahre

Veränderungen in den sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten: Einsetzende Nutzungsaufgabe von Wiesen und Weiden im Sömmerungsgebiet, das mehr als zur Hälfte unterhalb der Waldgrenze liegt.6, 15 Sukzession mit Verbuschung und Wiederbewaldung bestimmter Flächen. Zunahme der Waldfläche.16

Anhaltender Anstieg der Waldgrenze auch infolge des Endes der Kleinen Eiszeit (etwa Mitte des 19. Jahrhunderts).17 Alpiner Lebensraum schrumpft.

Immer mehr neue Stauseen und Gewässerstrecken mit unzureichendem Restwasser im alpinen Raum.18 Flüsse leiden unter Wasserentnahmenfür die Wasserkraftnutzung Kap. 7.4.1.

Rückkehr bestimmter grosser Tierarten (z. B. Steinbock, Hirsch).19, 2

VerschlechterungVerbesserung
1940er Jahre bis 1970er Jahre

Rückgang traditioneller Landnutzungsformen. Dazu gehören der Bedeutungsverl st der Alpstreue.6 Auch die Produktion von Winterfutter nimmt stark ab.

Bedeutungsgewinn von Freizeit und Tourismus sowie moderner Infrastruktur. Einfluss des Tourismus zunehmend spürbar (Ausbau der Infrastruktur wie Bergbahnen, Skipisten, Feriensiedlungen und weitere Infrastrukturen, Störungen von Wildtieren durch Freizeitaktivitäten).21 Negative Auswirkungen von Skipistenplanierungen und nicht standortgerechten Ansaaten.22, 23

Immer mehr Stauseen im alpinen Raum und Gewässerstrecken mit unzureichendem Restwasser.24

Starke Zunahme der Waldfläche und -dichte in der subalpinen Höhenstufe.25

Verschlechterung
1970er Jahre bis Jahrtausendwende

Verbuschung und Einwaldung von ertragsarmen und schwierig zu bewirtschaftenden Flächen setzt sich fort oder beschleunigt sich sogar. Unausgewogene Beweidung durch oftmals unbeaufsichtigte Schafe.26

Zunehmender Einfluss der Klimaerwärmung. Weitere Verschiebung der Waldgrenze nach oben, Einwanderung von häufigen Arten aus tiefer gelegenen Höhenstufen mit Verbreitungsschwerpunkt ausserhalb der alpinen Stufe.27

Verschlechterung
Jahrtausendwende bis 2025

Anhaltende Verbuschung und Einwaldung von ertragsarmen und schwer zu bewirtschaftenden Flächen sowie Nutzungsintensivierung von Gunstlagen Kap. 8.4.1 und 8.4.3.

Von Gletschern freigegebene Flächen28 bieten neuen Lebensraum für typische Arten der Alpen Kap.8.5.1.29,30 Ein Teil der neu entstehenden eisfreien Gletschervorfelder allerdings für den Ausbau der Wasserkraftnutzung vorgesehen.31 Höhersteigen von Arten im Klimawandel, steigender Druck auf Lebensraumspezialisten Kap. 8.5.2.

Definitive Rückkehr von weiteren grossen Tierarten (z.B.Bartgeier, Wolf).32

Die höchsten Lagen sind nach wie vor weitgehend frei von gebietsfremden Pflanzenarten. Mit dem Klimawandel könnte sich dies ändern.33, 34

Weiteres Wachstum der Freizeitnutzungen, unter anderem aufgrund neuer technischer Möglichkeiten (z.B.Elektro-Mountainbikes, Social Media).35 Nutzung bisher wenig berührter alpiner Gebiete für den Outdoorsport Kap.8.4.2.

VerschlechterungGegenläufige TrendsVerbesserung

Das Alpenschneehuhn ist eine typische Hochgebirgsart, die zunehmend unter dem Klimawandel leidet.

Foto: lorenzfischer.photo

8.4 Aktuelle Ursachen der Veränderungen

8.4.1 Klimaveränderungen und Nutzungsaufgaben lassen den Lebensraum für alpine Arten schrumpfen

Im alpinen Raum sind die Folgen des Klimawandels besonders spürbar und ausgeprägt.36 Beispielsweise wird es wärmer, es gibt weniger Frost- und Schneetage und der Niederschlag zu Beginn und am Ende des Winters fällt vermehrt als Regen und nicht als Schnee – die Schneedecke in den Alpen baut sich in Folge des Klimawandels später auf und schmilzt früher ab. Dies führt zu einer längeren Vegetationsperiode – und hat nicht nur Folgen für den Wintersport, sondern auch für die alpine Umwelt.37, 38

Hochaufgelöste Satellitendaten zeigen, dass das Pflanzenwachstum oberhalb der Baumgrenze deutlich zugenommen hat. Die Alpen werden zunehmend grüner, da Pflanzen neue Flächen besiedeln und die produktivere Vegetation dichter und höher wächst. Mit den sich ändernden Umweltbedingungen verlieren Alpenpflanzen, die an extreme Bedingungen angepasst und oft schlechte Konkurrenten sind, ihre Vorteile und können allmählich von weniger spezialisierten, grösseren Arten verdrängt werden. Dadurch gerät die einzigartige Artengemeinschaft der alpinen Lebensräume stark unter Druck.

Hinzu kommt die Nutzungsaufgabe von Weiden an der Waldgrenze und in der subalpinen Vegetationsstufe. Über Jahrhunderte hat der Mensch die Waldgrenze nach unten verschoben. In diesem Übergangsbereich mischen sich alpine mit subalpinen Arten, was zu Flächen mit einer sehr hohen Vielfalt führt. Der Strukturwandel in der Berglandwirtschaft in den letzten Jahrzehnten dreht den Prozess wieder um: Ein Teil der aufgegebenen Flächen wird wieder zu Wald. Die Alpwirtschaftsflächen im Sömmerungsgebiet haben seit Mitte der 1980er Jahre um 7% abgenommen.39

Veränderung des Pflanzenwachstums in den Alpen seit den 1980er Jahren.

Die Folgen des Klimawandels in den Alpen oberhalb von 1700 m ü. M. sind aus dem Weltraum sichtbar; die Berge werden immer grüner. Satellitendaten zeigen, dass die Produktivität der Vegetation oberhalb der Baumgrenzefast überall in den Alpen zugenommen hat (grüne Flächen). Karte: 41

Entwicklung der Temperatur und des Wasserhaushalts

Temperatur (links) und Wasserhaushalt (rechts) während der Vegetationsperiode auf vier Gipfeln im Kanton Wallis. Die Wasserbilanz auf den Gipfeln hat sich stark verschlechtert; es kommt immer häufiger zu ausgeprägten Dürresituationen (negative Werte). Dies stellt eine weitere Herausforderung für die Alpenflora und die Alpwirtschaft dar. Daten: 40

Abnahme der Anzahl Frosttage

Jährliche Anzahl Tage mit Frost für vier Wetterstationen in Graubünden.
Daten: MeteoSchweiz

Abnahme der Anzahl Schneetage

Jährliche Anzahl Schneetage (Schneedecke grösser als 1 cm) an der Messstation Arosa (1878 m ü. M.). In Arosa beginnt der Aufbau der Schneedecke heute etwa zwei Wochen später, und der Abbau setzt rund einen Monat früher ein als 1960, was zu einer entsprechend längeren Vegetationsperiode führt bzw. zu Vorteilen für konkurrenzstarke, produktive Arten, die bereits weit verbreitet sind. Daten: MeteoSchweiz, WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Wiederbewaldung im Calancatal

links: 2010; rechts: 2024

8.4.2 Freizeit und Tourismus können Wildtiere beeinträchtigen

Freizeitaktivitäten können eine erhebliche Belastung für Wildtiere darstellen, insbesondere in sensiblen alpinen Lebensräumen. Das gilt vor allem für den Wintersport, aber vermehrt auch ganzjährig, z. B. durch Elektro-Mountainbikes mit grösserer Reichweite, besserer Beleuchtung und digitalen Orientierungshilfen. Störungen zwingen die Tiere zur Flucht, was zu einem hohen Energieverlust führt und ihre Überlebenschancen im Winter drastischverringert, insbesondere wenn diese Störungen wiederholt auftreten.44, 45 Stark betroffen sind Raufusshühner wie das Birk- und Alpenschneehuhn sowie Huftiere wie Gämse, Steinbock und Rothirsch.

Tiere reagieren besonders stark auf Aktivitäten abseits von Wanderwegen und in der Dämmerung oder in der Nacht, da diese für sie unvorhersehbar sind. Um den Energieverlust auszugleichen, verlängern gestörte Birkhühner ihre Fresszeiten, was jedoch das Risiko erhöht, Beutegreifern zum Opfer zu fallen.46 Die zunehmende Popularität von Elektro-Mountainbikes, Freeriden, Skitouren, Schneeschuhwandern und Drohnen verschärft die Situation, da solche Aktivitäten in Rückzugsgebiete vordringen, die sonst selten begangen werden. Gleitschirmfliegerinnen und -flieger können, wenn Sie dem Gelände zu nahekommen, bei Wildtieren eine besonders starke Fluchtreaktion verursachen.47

Die Häufigkeit, mit welcher Freizeitaktive mit Informationen zu naturverträglichem Verhalten versorgt werden, unterscheidet sich stark zwischen den Aktivitäten, ist jedoch dank Sensibilisierungskampagnen von Organisationen und Behörden gestiegen. Die Kampagnen «Respektiere Deine Grenzen» und «Respect Wildlife» waren beispielsweise sehr erfolgreich bei der Verbesserung des Problembewusstseins und Verhaltens von Freeriderinnen und Freeridern.48 Auch im Klettersport wird ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Natur gefördert. Allerdings gehören die meisten Touristinnen und Touristen und Sporttreibenden keinem Verband an.

Naturverträgliches Verhalten: Äufklärung durch Outdoor-Vereine

Naturverträgliches Verhalten: Aufklärung durch Outdoor-Vereine

Häufigkeit, mit der Freizeitorganisationen ihre Mitglieder mit Informationen zur Naturverträglichkeit von Freizeitaktivitäten versorgen. Daten: 49

Entwicklung der Fläche von Wald und Gehölzen nach Höhenstufe

Besonders gross sind die Veränderungen in der subalpinen und alpinen Vegetationsstufe (ab ca.1600 m ü. M.). Ursache ist die Nutzungsaufgabe,42 zueinem kleinen Teil auch der Klimawandel (vor allem oberhalb von 2200 m ü. M.).43 dunkelgrau: 1985, hellgrau: 2018 Daten: Bundesamt für Statistik, Arealstatistik

8.4.3 Nutzungsänderungen im Sömmerungsgebiet

Nicht nur die Wiederbewaldung abgelegener und schwierig zu bewirtschaftender Flächen im subalpinen Teil des Sömmerungsgebietes als Folge einer zugeringen oder ausbleibenden Nutzungsintensität beeinträchtigt die Biodiversität Kap. 8.4.1, sondern auch die Intensivierung der Weiden- und Wiesennutzung in Gunstlagen.6 Die Vielfalt und Lebensgemeinschaften von Tier- und Pflanzenarten im alpinen Raum reagieren sehr sensibel auf Veränderungen der Nutzungsintensität. Dazu gehören die Stärke der Bestossung, das Weidemanagement, die Art der Tierhaltung, die Menge und Art der Nährstoffeinträge und vieles mehr.

Die Anzahl gesömmerter Tiere hat seit 2010 tendenziell zugenommen,50 obwohl weniger Fläche im Sömmerungsgebiet bewirtschaftet wird.39 Die Nutzung dernoch bestehenden Alpweiden könnte sich dadurch in Teilen intensiviert haben.

Ebenfalls zu einer stärkeren Nutzung können Strukturverbesserungsmassnahmen wie neue oder ausgebaute Strassen beitragen. Dies ist vor allem in Landschaftskammern, die von grossem ökologischem Wert sind, für die Biodiversität problematisch. Zufahrtswege können aber manchmal auch notwendig sein, um die Bewirtschaftung aufrechtzuerhalten.

Entwicklung des Bestandes der jährlich gesömmerten Tier

Ein Normalstoss entspricht der Sömmerung einer Raufutter verzehrenden Grossvieheinheit (z. B. eine Milchkuh oder vier Milchschafe) während 100 Tagen. Für jede Alp werden die Normalstösse von den Kantonen festgelegt. Daten: Bundesamt für Landwirtschaft

Graue Bergziegen Capra Grigia»)

sind effizient im Zurückdrängen von Grünerlengebüschen. Grünerlen können nicht mehr genutzte Alpweiden überwuchern, was zum Verlust von Biodiversität, versauerten Böden und erhöhter Erosions- und Lawinengefahr führt.8, 52

Pflanzenreichtum in Abhängigkeit der Verbuschung und der Gehölzart

Ob die Artenvielfalt durch die Verbuschung steigt oder sinkt, hängt von der Gehölzart und ihrem Bedeckungsgrad ab. Einzelne Legföhren und insbesondere eine Vielfalt an verschiedenen Straucharten können die Vielfalt an Pflanzenarten bis zu einer Bedeckung von 30 bis 50 % einer Fläche fördern. Nimmt die Verbuschung weiter zu, sinkt ihre Artenvielfalt. Die weitverbreitete Grünerle dagegen sorgt für einen stetigen Rückgang der Vielfalt. Um die vielfältigen Werte der Schweizer Alpweiden zu erhalten, braucht es deshalb Massnahmen gegen grossflächige Vorkommen der Grünerle, beispielsweise die Beweidung verbuschender Flächen mit robusten Schaf- und Ziegenrassen.51, 52 Daten: 53

Deckungsgrad von Zwergsträuchern in Abhängigkeit von der Beweidungsintensität

Eine angemessene Beweidung hilft, die Verbreitungvon Gehölzpflanzen zu begrenzen und somit zur
Offenhaltung der Weiden beizutragen.
Daten: 51

Lebensräume im alpinen Raum reagieren sensibel auf Veränderungen der Nutzungsintensität.

Foto: Andreas Gerth/BAFU

8.5 Entwicklung seit 2010

8.5.1 Hohe Wildnisqualität im alpinen Raum

In einer zunehmend vom Menschen geprägten Welt kommt den wenigen, noch weitgehend unerschlossenen und naturbelassenen Räumen eine herausragende Bedeutung zu.54 Diese sogenannten Wildnisgebiete zeichnen sich durch geringe menschliche Einflüsse aus – weder landwirtschaftliche Nutzung noch Infrastrukturen wie Strassen, Siedlungen oder technische Anlagen greifen deutlich in das ökologische Gefüge ein. Gerade in dicht besiedelten und intensiv genutzten Regionen wie Mitteleuropa kommt Wildnisgebieten ein besonderer Stellenwert zu.

Die Schweiz, deren Territorium zu einem bedeutenden Teil aus Gebirgslandschaften besteht, verfügt trotz ihrer dichten Erschliessung über einige weitläufige, vergleichsweise unberührte Räume in den Alpen, in denen die natürliche Dynamik wirken darf. In der alpinen Vegetationsstufe leben überdurchschnittlich viele Arten, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in dieser Höhenstufe haben. Unser Land trägt damit eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser alpiner Wildnisflächen, insbesondere vor dem Hintergrund des weltweit zunehmenden Nutzungsdrucks.

Die globale Entwicklung von Wildnisgebieten ist besorgniserregend: Studien zeigen, dass allein zwischen 1990 und 2015 über drei Millionen Quadratkilometer bzw. 10 % der Wildnisflächen verschwunden sind.55 Der fortschreitende Verlust dieser Gebiete gefährdet nicht nur Biodiversität und ökologische Resilienz, sondern mindert auch die Möglichkeiten zukünftiger Generationen, natürliche Prozesse und echte Naturlandschaften zu erleben.

Wildnisqualität in der Schweiz

Kriterien: Natürlichkeit, menschliche Einflüsse, Abgeschiedenheit sowie Topografie. Dunkelblaue Flächen markieren Gebiete mit höchster Wildnisqualität basierend auf diesen Kriterien. Hier finden sich noch Wildnisgebiete von hoher ökologischer Qualität. Sie sind hauptsächlich im Bereich der höchsten Berge und der Gletscher bzw. der nivalen Stufe zu finden. Auch die daran anschliessenden Räume der alpinen Stufe weisen eine relativ hohe Wildnisqualität auf.
Karte: 54

links: 1935; rechts: 2022

Gletscher geben neue Flächen für Lebensraum frei

Rückgang des Vadret da Tschierva im Kanton Graubünden zwischen 1935 und 2022. Durch den Rückzug von Eis und Schneevergrössern sich vorübergehend Gletschervorfelder, auf denen die Sukzession einsetzt. Der Artenreichtum von Bakterien,Pilzen, Pflanzen und Tieren nimmt nach dem Gletscherrückzug kontinuierlich zu.56 Eine verbesserte Lebensraumqualität, die zunehmende Komplexität der biologischen Wechselwirkungen und die zeitlich gestaffelte Besiedlung tragen alle zur Zunahme der Biodiversität auf diesen Flächen im Laufe der Zeit bei. Mit fortschreitender Sukzession ähneln diese Lebensräume zunehmend den benachbarten Gebieten der Gletschervorfelder.

Anteil Arten in der Schweiz mit Verbreitungsschwerpunkt in einer bestimmten Höhenstufe

Von einem Verbreitungsschwerpunkt wird gesprochen, wenn das Biodiversitätsmonitoring Schweiz eine Art zu mindestens 75 % auf einer gewissen Höhenstufe (siehe Karte) erfasst. Flächenanteile der Höhenstufen wurden in der Analyse berücksichtigt.
Daten: Biodiversitätsmonitoring Schweiz (BDM). Karte: swisstopo, Flora Vegetativa, Info Flora

8.5.2 Arten wandern nach oben

Die alpine und die nivale Vegetationsstufe sind im Wandel. Seit der letzten Eiszeit findet eine langsame, aber kontinuierliche Sukzession statt,13 die durch den Klimawandel stark beschleunigt wird. Die Biodiversität in den Alpen steht dadurch vor einem tiefgreifenden Wandel.

Der Klimawandel zeigt sich im alpinen Raum besonders deutlich: Immer mehr Arten aus der montanen und subalpinen Stufe breiten sich in Richtung Gipfel aus. Es kommt zu einem Anstieg der Artenzahlen auf lokaler und regionaler Ebene.57, 63 Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz zum Raum und Ressourcen zu. Es muss angenommen werden, dass die Konkurrenz schwächeren Lebensraumspezialisten der alpinen und nivalen Stufe dadurch stärker unter Druck geraten werden.58 Der Tagfalter-Index des Biodiversitätsmonitorings Schweiz zeigt bereits heute, dass kälteangepasste Arten seltener werden Kap.3.5.1.

Der alpine Lebensraum schrumpft insgesamt, und der Verschiebung des Lebensraums nach oben sind enge Grenzen gesetzt – die für betroffene Arten geeignete Fläche wird kleiner, die Berggipfel sind das Ende der Reise. Einige Arten könnten langfristig sogar gänzlich verschwinden. 59,60 Modellrechnungen – basierend auf Verbreitungsdaten von über 7000 Arten und kombiniert mit den erwarteten Klimaveränderungen – zeigen starke Auswirkungen auf die klimatische Eignung des alpinen Raums für viele Arten, wobei die Reaktionen je nach Artengruppe unterschiedlich ausfallen.61

Das Alpenschneehuhn ist besonders stark vom Klimawandel betroffen.38

Durchschnittliche Höhenwanderung von verschiedenen Organismengruppen

Verschiebungen der optimalen Höhenverbreitung(= Höhenlage mit der höchsten Individuenzahl) bei verschiedenen Organismengruppen in den Europäischen Alpen (beruhend auf verschiedenen Monitoring-Daten). Der untersuchteZeitraumvariiert zwischen den einzelnen Studien, lag jedoch immer bei mehr als 10 Jahren innerhalb des Zeitraums von 1980–2020. Der rote Balken entspricht der Höhenverschiebung der Temperatur(bzw. der Isothermen). Daten: 62

Touristen zwischen Bachläufen mit braunen Algen und einem türkisblauen Toteisloch im Gletschervorfeld beim Glacier du Mont Miné, Kanton Wallis. Solche alpinen Schwemmebenen zeichnen sich durch eine weitgehende natürliche Dynamik aus.

Foto: lorenzfischer.photo

Anzahl Blütenpflanzenarten auf Berggipfeln in den Kantonen Graubünden und Wallis

Heute wachsen auf nahezu allen untersuchten Gipfeln mehr Pflanzenarten als zur Jahrtausendwende. Dieser Zuwachs beschleunigt sich auf vielen Gipfeln und spiegelt die Höhenwanderung zahlreicher Arten wider. Doch diese höhere Artenvielfalt wird wahrscheinlich nur vorübergehend sein: Hochgebirgsarten werden auf den Gipfeln voraussichtlich zunehmend seltener und nach und nach verschwinden – aufgrund konkurrenzstärkerer Arten, die aus tieferen Lagen aufsteigen.57, 58, 63 Daten: GLORIA-CH, C. Randin, C. Rixen, J.-P.Theurillat, P. Vittoz, R. von Büren, S. Wipf

Veränderung der durchschnittlichen Höhenverbreitung von 71 Brutvogelarten

Vor allem Gebirgsarten haben ihre durchschnittliche Höhenverbreitung zwischen 1993/96 und 2013/16 nach oben verlagert. Die Veränderungen zeigen, dass die Alpen künftig als Rückzugsort dienen könnten, doch der Höhenmigration sind Grenzen gesetzt. Langfristig wird es vermutlich mehr Verlierer als Gewinner geben. Hinzukommt der Effekt der Vereinheitlichung der Lebensgemeinschaften: Die Vogelgemeinschaften in den verschiedenen Höhenstufen unterscheiden sich immer weniger voneinander.67 Daten: Schweizerische Vogelwarte66

Entwicklung des Brutbestands des Schneesperlings in der Schweiz

Die Bestände des Schneesperlings sind seit den 1990er Jahren um über 20 % zurückgegangen.69 Die Schweiz trägt eine grosse internationale Verantwortung für diese typische Bergvogelart: Jeder sechste europäische Schneesperling brütet in der Schweiz.

Foto: weyrichfoto.ch

Fördermassnahmen für den Schneesperling im Klimawandel

Der Schneesperling sucht die Nahrung für seine Jungen grossteils an den Rändern von schmelzenden Schneefeldern. Für ihn sind die vorzeitige Schneeschmelze und die höheren Sommertemperaturen zunehmend ein Problem.68 Angesichts des Klimawandels werden Fördermassnahmen immer wichtiger: Zentral sind der Erhalt von blumenreichen alpinen Rasenflächen, aber auch Nisthilfen können Populationen lokal stützen wie auch das Eingreifen bei Ausbrüchen von Krankheiten.70

Bedrohte Vielfalt der Schneetälchen

Schneetälchen sind Mulden, die normalerweise mindestens bis Anfang Juli mit Schnee bedeckt sind. Die Häufigkeit und Dauer der Schneebedeckung nehmen unter dem Einfluss des Klimawandels ab, sodass Schneetälchen zunehmend günstigere Bedingungen für Arten bieten, die keine lange Schneebedeckung ertragen.64,65 Die ursprüngliche Pflanzengemeinschaft verändert sich: Zwar steigt die Artenvielfalt, doch die neu hinzukommenden Arten sind Generalisten aus den umliegenden Gebirgsrasen. Dies führt zu einer zunehmenden Vereinheitlichung der Artengemeinschaften. Schneetälchen zählen damit zu den am stärksten vom Klimawandel bedrohten Lebensräumen der Alpen.

Foto: Veronika Stöckli

8.6 Weichenstellung für eine biodiverse Zukunft

Grossflächige Wildnisgebiete im Gebirge wertschätzen und erhalten

Wildnisgebiete sind bedeutend für Biodiversität, Ökosystemfunktionen, Forschung, Naturerlebnis, Bildung und Tourismus – und damit ein Gewinn für Mensch und Natur. Die Schweiz trägt eine besondere Verantwortung für alpine Wildnis, da viele Gebiete im Hochgebirge noch weitgehend unerschlossen sind und natürliche Prozesse wirken können.

Wildnis sollte als eigenständige Landschafts- und Naturschutzstrategie und planerisches Konzept stärker im öffentlichen und politischen Bewusstsein verankert werden.71 Ziel sollte es sein, bestehende Räume mit hoher Wildnisqualität zu erhalten und untereinander zu vernetzen. Um die Akzeptanz und Wirkung von Wildnis zu erhöhen, gilt es, die Bevölkerung in den betroffenen Regionen aktiv in Wildnis-Konzepte einzubeziehen und die Chancen von Wildnis hervorzuheben.

Neue Finanzierungsinstrumente für die Biodiversität aus dem Tourismus

Biodiversität und Landschaft sind die wichtigsten Ressourcen des Schweizer Tourismus. Der Tourismus sollte daher an der Erhaltung der Biodiversität interessiert sein. Dazu müssen geeignete Finanzierungsinstrumente für die Schweiz entwickelt werden. Ansätze wie Nutzungsgebühren, Erlöse aus Konzessionen und dem Verkauf von Produkten sowie freiwillige Beiträge könnten in der Schweiz stärker genutzt werden. Ein vielversprechendes Konzept ist der «Biodiversitätsfranken», bei dem Gäste freiwillig einen finanziellen Beitrag leisten, der direkt in die Förderung der Biodiversität fliesst.72 Denkbar wäre auch eine «Biodiversitätsstiftung» durch Beiträge von Outdoorausrüstungsfirmen, Bergbahnen oder der Hotellerie, um gezielt Biodiversitätsprojekte in Tourismusgebieten zu unterstützen, oder ein Anteil der Kurtaxe für die Biodiversität. Solche Finanzierungsinstrumente können auf lokaler Ebene initiiert werden, während der Bund und die Kantone unterstützend tätig werden. Qualitätsstandards für den naturnahen Tourismus liegen bereits vor.4

Nachhaltige Freizeitaktivitäten

Der Forschungsbedarf zu den ökologischen Auswirkungen von neueren Freizeitaktivitäten wie Elektro-Mountain-biken, Drohnenfliegen, Trailrunning und Speed-Flying ist hoch.49 Es sind solide wissenschaftliche Erkenntnisse notwendig, um Lenkungsmassnahmen und räumliche Einschränkungen für bestimmte Aktivitäten sachlich zu begründen und dafür Akzeptanz zu schaffen. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen sind ebenfalls verstärkt zu fördern, um Zielgruppen gezielt anzusprechen. Damit eine bessere Vereinbarkeit von Naturschutz und Freizeitnutzung erreicht werden kann, müssen verschiedene Ansätze parallel und kombiniert verfolgt werden: Sensibilisierung durch gezielte Kampagnen, Stakeholder-Dialoge zur Lösung von Interessenkonflikten, Aus- und Weiterbildung zur Vermittlung von Verhaltensregeln sowie räumliche Lenkung in spezifischen Fällen. Nur so sind bleibende Verhaltensänderungen erreichbar.4

Ein regelmässiger Erfahrungsaustausch z. B. in Form von Workshops und Exkursionen sowie die Bereitstellung einheitlicher Schulungsmaterialien könnten die Erhaltung sensibler Naturgebiete zusätzlich unterstützen. In der Praxis braucht es verstärkte Ranger-Arbeit, vermehrt Rangerinnen und Ranger, mehr adressatengerechte Infotafeln, wirksame Anreizmassnahmen, Verbote, Wissensvermittlung durch unterhaltsame Videos, wie auch die verbesserte und vereinfachte Informationsbereitstellung via Apps und Internetseiten.73 Besucherlenkungen in sensiblen Gebieten können über klassische Methoden, aber auch durch eine Steuerung über Social Media erreicht werden.

Landwirtschaftliche Nutzungsbalance im Sömmerungsgebiet finden

Das Sömmerungsgebiet ist ein Hotspot der Biodiversität und damit Bestandteil unseres Natur- und Kulturerbes sowie beliebtes touristisches Ziel. Charakteristisch für diese Räume ist das mosaikartige Nebeneinander von artenreichen Rasen, Weiden, Bergwiesen und Steinstrukturen – in der subalpinen Stufe sind zusätzlich Zwergstrauchheiden, Gebüsche und lichter Wald vorhanden. Dieses vielfältige Mosaik beruht auf einer jahrhundertealten landwirtschaftlichen Nutzung.

Ohne eine extensive und standortgerechte Bewirtschaftung würde die Verbuschung in der subalpinen Stufe rasch fortschreiten und mittelfristig zur Wiederbewaldung vieler Alpentäler führen. Damit gingen nicht nur wertvolle Offenland-Lebensräume für spezialisierte Pflanzen und Tiere verloren, sondern auch das charakteristische Landschaftsbild, das Erholungssuchende schätzen und das Identität für die Bevölkerung stiftet. Der Erhalt der Alpweiden ist deshalb im Interesse von Natur, Gesellschaft und Wirtschaft – jedoch unter der klaren Prämisse: Erhalten, ohne weiter zu intensivieren. Dabei gilt es auch zu beachten, dass grosse ungestörte Wildtierbestände zumindest in gewissen Gebieten stellenweise die Funktion der Nutztiere übernehmen könnten, wie das Beispiel des Schweizerischen Nationalparks zeigt, wo Hirsche und Gämsen die Gebiete offen und biodivers halten.74

Die Nutzung der Sömmerungsweiden sollte sorgfältig gesteuert und an die ökologischen Standortbedingungen angepasst sein. Eine übermässige Verbuschung ist ebenso zu vermeiden wie eine zu starke Bestossung. Auch die gezielte Förderung und Nutzung von robusten, an lokale Bedingungen angepassten Nutztierrassen kann einen Beitrag leisten, um unter den herausfordernden klimatischen und topografischen Bedingungen eine nachhaltige Nutzung zu sichern und die Verbuschung einzudämmen. Strukturelle Erneuerungen – etwa im Bereich der Infrastruktur – sind mit besonderer Vorsicht zu behandeln, um sensible Lebensräume nicht zu beeinträchtigen.

Ein besonderes Augenmerk verdient dabei die obere subalpine und untere alpine Stufe oberhalb der heutigen Waldgrenze. Eine ausgewogene Beweidung und Weidepflege in diesen Höhenlagen hilft, die zunehmende Verbuschung zu verlangsamen. Dafür ist eine sorgfältige Bewirtschaftungsplanung notwendig. So bleibt Raum für alpine Arten erhalten, die durch steigende Temperaturen zunehmend unter Druck geraten.

Letztendlich ist eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft im Sömmerungsgebiet ohne gezielte Unterstützung von Bund und Kantonen kaum möglich. Wer auf eine Vermeidung von Intensivierung und problematischen Strukturverbesserungen pocht, muss zugleich konsequente, faire und langfristig angelegte Unterstützung sicherstellen, nicht unbedingt nur über Gelder aus der Agrarpolitik, sondern z.B. auch aus dem Tourismus. Dies ist gerade angesichts der globalisierten Wirtschaft Voraussetzung für eine standortangepasste, ökologische und wirtschaftliche Landwirtschaft im Sömmerungsgebiet – in Höhenlagen, die herausfordernd, aber zugleich unverzichtbar für eine nachhaltige Zukunft der Schweiz sind.

Nutzung erneuerbarer Energien nimmt Rücksicht auf alpine Lebensräume

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist notwendig, um fossile Brennstoffe zu ersetzen und bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Zusätzlich sind aber auch Suffizienz und Effizienz beim Energieverbrauch entscheidend für einen rechtzeitigen und nachhaltigen Wandel. Eine zentrale Herausforderung ist das Schliessen der Winterstromlücke durch neue alpine Photovoltaik-, Wasserkraft- und Windenergieanlagen. Der Schwerpunkt des Ausbaus der erneuerbaren Energien sollte jedoch vor allem auf der Produktion der Solarenergie auf Dächern und an Fassaden sowie entlang von bestehenden Infrastrukturen liegen, um den bereits hohen Druck auf die Biodiversität nicht weiter zu verstärken. Denn intakte Ökosysteme und eine vielfältige Biodiversität spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Klimas.75

Ein integrativer, vom Bund koordinierter Plan könnte Klima-, Energie- und Naturschutzbelange gleichgewichtig berücksichtigen und Synergien nutzen.76 Demokratische Prozesse und die Beteiligung auf allen Ebenen sind dabei unerlässlich. Bewährte Prinzipien sollten gestärkt und nicht im Namen der Dringlichkeit übergangen werden. Gleichzeitig gilt es, die Bewilligungsverfahren für erneuerbare Energieprojekte zu straffen und zu beschleunigen. Lokal sind Gemeindenaktiv einzubeziehen, um Synergien zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Biodiversitätsförderung zu schaffen.

Standorte im alpinen Raum sind so auszuwählen, dass bisher unberührte Gebiete geschont werden und keine neuen Strassen nötig sind. Bereits bestehende schädliche Einflüsse (z. B. der Wasserkraftnutzung) müssen stärker als bisher reduziert und durch ökologische Wiederherstellungsmassnahmen kompensiert werden.

Hohe Lagen und tieferliegende Gebiete zusammen denken

Eine zukunftsfähige Raumplanung muss den Erhalt der Biodiversität ebenso ernst nehmen wie die Versorgungssicherheit, Infrastrukturen und die Gestaltung des Siedlungsraums. Vor allem im Zeitalter des Klimawandels wird die räumliche Planung vor neue Herausforderungen gestellt – besonders in einem vielfältig strukturierten Land wie der Schweiz.

Die Gebiete über der Waldgrenze und die Talgebiete bilden ein komplexes geografisches Mosaik, in dem sich Naturschutz, Land- und Waldwirtschaft, Siedlungen und Tourismus vielfach überschneiden. Was bislang oft separat gedacht und geplant wurde, muss nun vernetzt und systemisch betrachtet werden – ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Veränderungen in der Landnutzung in einem Gebiet können direkte Auswirkungen auf benachbarte Höhenstufen haben – sei es durch Wasserhaushalt, Wanderungen von Arten oder menschliche Aktivitäten. Einvernetzter Planungsansatz, der alle Höhenlagen vom Talboden bis zu den Berggipfeln als funktionale Einheit denkt, ist nicht nur ökologisch geboten, sondern auch ein Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung der Schweiz im 21. Jahrhundert.


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Grafiken Kapitel 8

Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten

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