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Zusammenfassung

Von den bunten Bergwiesen in den Alpen bis zu den vielfältigen Auen im Mittelland, von den strukturreichen Mischwäldern bis zu den glitzernden Seen: Auf engem Raum vereint die Schweiz eine erstaunliche Fülle an artenreichen Lebensräumen. Dieses Mosaik könnte eine der grössten Schatzkammern der Biodiversität in Europa sein – ein Reichtum, der Landschaften und Menschen prägt und Lebensgrundlagen sichert. Doch diese Fülle ist längst nicht mehr selbstverständlich und sehr verletzlich geworden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben intensive Landnutzungen, hoher Ressourcenverbrauch, Siedlungsdruck und Stoffeinträge die natürlichen Kreisläufe bedeutend verändert. Wertvolle Lebensräume sind stark geschrumpft oder wurden verändert.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass jede Entscheidung in Land- und Waldwirtschaft, in Energieproduktion und Raumplanung, im Natur- und Umweltschutz, bei der Bewirtschaftung von Grünflächen und beim Konsum diese Vielfalt beeinflusst. Darin liegt auch eine Chance: Die Schweiz besitzt nach wie vor ein ausserordentliches Potenzial, dieses Natur- und Kulturerbe zu bewahren und wieder aufleben zu lassen. Wo Menschen umsichtig handeln, können sich Bäche frei entfalten und Wiesen bunter blühen. Biodiversität ist mehr als ein ökologisches Gut – sie ist unsere Lebensgrundlage und unsere Verantwortung.

Anhaltender Druck auf die Biodiversität

Der vorliegende Bericht stellt den Zustand und die Veränderungen der Biodiversität in der Schweiz übersichtlich und differenziert dar. Gestützt auf Daten, Studien und Expertenwissen beschreibt er, wie sich die biologische Vielfalt in den verschiedenen Lebensräumen entwickelt hat. Der Fokus liegt auf den Veränderungen in den letzten 15 Jahren. Der Bericht zeigt zudem, welche Faktoren die Biodiversität derzeit am stärksten beeinflussen und welche Ereignisse in Politik und Gesellschaft dafür wichtig waren. Und er legt dar, wie wir die Weichen stellen können, damit kommende Generationen eine reichhaltige und funktionsfähige Biodiversität als Lebensgrundlage vorfinden.

Die Fakten sind klar: Die historischen Verluste an Biodiversität sind erheblich. Der Rückgang hat sich zwar seit der Jahrtausendwende verlangsamt, die Biodiversität in der Schweiz steht aber nach wie vor unter dem Druck mehrerer, sich gegenseitig verstärkender Belastungen. Intensive Landnutzung, Umweltverschmutzung, invasive gebietsfremde Arten, Klimawandel: Wir Menschen beanspruchen Natur und Landschaft stark und hinterlassen überall unsere Spuren.

Siedlungen, Verkehrswege und intensive landwirtschaftliche Nutzung führen zum Verlust naturnaher Lebensräume, zerschneiden die Landschaft und behindern den genetischen Austausch zwischen Populationen von Tieren, Pflanzen und Pilzen. Weiterhin zu hohe Nährstoff- und Schadstoffeinträge belasten Grünland, Wälder und Gewässer, und beeinträchtigen viele Arten. Gleichzeitig breiten sich invasive gebietsfremde Arten aus und verdrängen einheimische. Die zunehmende Lichtverschmutzung bringt die natürlichen Rhythmen vieler Lebewesen aus dem Takt. Bei unseren Freizeitaktivitäten nutzen wir die Landschaft bis in den letzten Winkel. Der Klimawandel verändert Temperaturen und Niederschläge, wodurch sich Vegetationszonen verschieben. Davon profitieren gewisse wärmeliebende Arten; alpine Arten und Wasserlebewesen leiden aber immer stärker darunter.

Biodiversitätsförderung wirkt

Es gibt eine Vielzahl weiterer Entwicklungen, die differenziert zu betrachten sind. Während zahlreiche Arten und Lebensräume weiter an Boden verlieren, bleiben andere auf unterschiedlichen Niveaus stabil oder entwickeln sich positiv. Bund, Kantone, Gemeinden, Organisationen, Forschende, lokale Gemeinschaften und unzählige weitere Engagierte setzen sich für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität und ihrer Leistungen für uns Menschen ein. Lokal, regional und teilweise sogar national konnten Programme und Projekte Verluste bremsen. Die Bestände gewisser Arten haben sich erholt. Diese Beispiele belegen: Die Förderung der Biodiversität wirkt, wenn sie gezielt und konsequent umgesetzt wird.

Im Wald gibt es immer mehr Totholz, und die Zahl der Baumriesen hat sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt. Beides kommt vielen Arten zugute. Im Landwirtschaftsgebiet entwickelt sich die ökologische Qualität vieler Biodiversitätsförderflächen vom Tal bis ins Sömmerungsgebiet erfreulich. Städte und Gemeinden setzen Biodiversitätskonzepte um, und zahlreiche Initiativen motivieren Bevölkerung und Wirtschaft, aktiv zu werden. Aufgewertete Grünflächen bieten in Städten und Agglomerationen Lebensraum für Arten und Erholungsraum für die Bevölkerung. Die Gewässer profitieren von Revitalisierungen. In den Alpen finden sich nach wie vor Räume mit hoher Wildnisqualität, und extensiv bewirtschaftete Alpweiden beherbergen eine hohe Biodiversität. Früher in der Schweiz ausgestorbene Arten wie der Bartgeier haben sich wieder etabliert.

Fortführen und verstärken

Erfolgreiche Projekte müssen Schule machen und ihr Nutzen für den Menschen breit kommuniziert werden. Die Biodiversität braucht mehr Raum, mehr Qualität und eine bessere Vernetzung. Dafür sind ein konsequentes, sektorübergreifendes Vorgehen, Massnahmen in allen biodiversitätsrelevanten Sektoren sowie die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und der Gesellschaft nötig. Was zu tun ist, ist bekannt: Bestehende Gesetze und Strategien – von der Erhaltung der Biotope von nationaler Bedeutung über die Realisierung der ökologischen Infrastruktur bis zur ökologischen Sanierung der Wasserkraft – müssen entschlossen umgesetzt werden. Subventionen sollen biodiversitätsfördernde Praktiken belohnen. Und lokale Akteurinnen und Akteure, Bevölkerung und Wirtschaft müssen stärker einbezogen werden – über Beteiligung, Beratung und praxisnahes Wissen.

Biodiversität ist lebenswichtig. Sie ist grundlegend für sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Klimaregulation, Gesundheit, Schutz vor Naturgefahren – und für unsere Lebensqualität. Viele Weichen zeigen in die richtige Richtung. Diese Wege sind nun konsequent zu verfolgen. Weitere Weichen müssen noch zielführend und zeitnah richtig gestellt werden. Auf Absichtserklärungen, Strategien und Planungen müssen konkrete Taten folgen. Um die Biodiversität langfristig zu sichern und national genügend Wirkung zu zeigen, sind die bestehenden Bemühungen weiterzuführen und zu verstärken. So kann die Schweiz den eingeschlagenen Weg mit weiteren Erfolgen fortsetzen und ihre Biodiversität wieder aufleben lassen.

Entwicklung der Biodiversität in verschiedenen Lebensräumen seit 1900 und Zustand 2025

Herleitung (siehe auch Kap. 1): In allen Lebensraumkapiteln wird die Entwicklung der Biodiversität gestützt auf belegten Entwicklungen von Einflussfaktoren und ihren bekannten Wirkungen sowie verfügbaren Datensätzen seit 1900 für verschiedene Zeitabschnitte beschrieben. Die Darstellungen veranschaulichen jeweils den Zustand der Biodiversität am Ende jeder Zeitperiode.

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