Foto: Beat Schaffner

Einführung

Kapitel 1 / Biodiversität ist die zentrale Grundlage für das Funktionieren unserer Ökosysteme und damit für das menschliche Wohlergehen. Doch die Biodiversität geht weltweit zurück.

Ziel des Berichts

Biodiversität ist die zentrale Grundlage für das Funktionieren unserer Ökosysteme und damit für das menschliche Wohlergehen. Doch die Biodiversität geht weltweit zurück. Ein Team aus Forschenden analysierte 2010 für die Schweiz, wie sich die Biodiversität hierzulande seit 1900 entwickelt hat.1 Das damalige Fazit: «Insgesamt konnte der Verlust an Biodiversität nicht gestoppt werden; die Talsohle ist nicht erreicht.»

Heute, 15 Jahre später, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute aus der Praxis die Entwicklungen der Biodiversität in der Schweiz erneut umfassend unter die Lupe genommen. Dabei werden sowohl Zustand und Entwicklung der Biodiversität beschrieben als auch aktuelle Veränderungsursachen beleuchtet und in den Kontext gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen gestellt.

Der vorliegende Bericht basiert auf aktuellen Ergebnissen nationaler Monitoringprogramme, neuen Forschungsergebnissen und breit abgestützten Expertenmeinungen. Unser zentrales Anliegen ist es, eine fundierte und übersichtliche Grundlage für Entscheidungen zu schaffen.

In den letzten Jahren wurden bedeutende Biodiversitätsziele verabschiedet, darunter die Strategie Biodiversität Schweiz und internationale Vereinbarungen im Rahmen des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche nächsten Schritte sind erforderlich, um diese Ziele zu erreichen? Die Erkenntnisse und die hier vorgeschlagenen Lösungsansätze sollen zum Nachdenken anregen und dazu beitragen, wirkungsvolle Massnahmen für die Erhaltung und Förderung der Biodiversität und ihrer Leistungen für uns Menschen zu entwickeln – und damit die Weichen für eine biodiverse Zukunft zu stellen, in der die Natur die Wertschätzung bekommt, die sie verdient.

Foto: Bildungswerkstatt Bergwald; Matthias Pfammatter

Gemeinsam zum Erfolg.

Entwicklung der Biodiversität in verschiedenen Lebensräumen seit 1900 – Erläuterungen zur Herleitung und grafischen Darstellung

In jedem Lebensraumkapitel wird die Entwicklung der Biodiversität seit 1900 für verschiedene Zeitperioden dokumentiert. Die Darstellungen zeigen den Zustand der Biodiversität am Ende der jeweiligen Periode. Die Herleitung der Veränderungen beruht auf verschiedenen Aspekten der Biodiversität (Umweltqualität, räumliche Ausdehnung der Lebensräume, lebensraumtypische Prozesse, Vernetzung, Artenvielfalt, Zusammensetzung der Artengemeinschaften, Bestandsentwicklungen lebensraumtypischer Arten).

Wieso ist das Verständnis der langfristigen Entwicklung wichtig?

Eine Bewertung neuerer und kurzfristiger Entwicklungen ist nur möglich, wenn Informationen zu historischen Einflussfaktoren und Veränderungen der Biodiversität vorhanden und zugänglich sind – ansonsten lassen sich Entwicklungen nicht richtig einordnen. So entwickeln sich einzelne Aspekte der Biodiversität in der Schweiz seit 2010 zwar eindeutig positiv. Aufgrund der früheren Verluste finden diese Veränderungen aber ausgehend von einem sehr tiefen Niveau statt.

Wie wurden die Zustände hergeleitet?

Die Biodiversität in der Schweiz umfasst über 200 Lebensraumtypen, mehr als 56 000 bekannte Arten und die genetische Vielfalt. Diese Vielfalt ist ein Grund dafür, dass umfassende quantitative Daten bzw. systematisch erhobene, langfristige Zeitreihen vor 1990 meistens fehlen. Ausnahmen sind beispielsweise quantitative und qualitative Veränderungen von Flächen besonders wertvoller Lebensraumtypen (z. B. Auen, Moore Kap. 3.5.4), der Artenzusammensetzung bestimmter Lebensräume (z. B. Wiesen und Weiden Kap. 5.5.1) oder der chemischen Qualität von Lebensräumen (z. B. Seen Kap. 7.4.3). Die beteiligten Expertinnen und Experten haben die Zustände seit 1900 deshalb mehrheitlich gestützt auf belegten Entwicklungen von Einflussfaktoren und ihren bekannten Wirkungen hergeleitet. Verluste und Gewinne werden kommentiert und soweit möglich mit Daten aus Studien gestützt.

Was wird unter der Ausgangslage 1900 verstanden?

Die meisten Lebensräume wurden in der Schweiz bereits vor 1900 stark vom Menschen geprägt. Entsprechend war der ökologische Zustand je nach Lebensraum unterschiedlich gut. Der Zustand um 1900 wird nicht als Referenzzustand betrachtet, den es wieder zu erreichen gilt. Er kann aber neben anderen Informationen Orientierung bieten für die Beurteilung der Qualität von Lebensräumen und ihrer Entwicklung.

Literatur
  1. Lachat T, Pauli D, Gonseth Y, Klaus G, Scheidegger C, Vittoz P, Walter T (Red.) (2010) Entwicklung der Biodiversität in der Schweiz seit 1900. Ist die Talsohle erreicht? Bristol-Stiftung, Haupt Verlag.

Download Kapitel 1

Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten

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